Weizenkorn (Joh 12,20-31)
Wenn das Weizenkorn nicht in die Erde fällt und stirbt, bleibt es allein, wenn es aber stirbt, bringt es reiche Frucht.
Wie geht das – sich fallen lassen, sterben und Frucht bringen durch ein neues Leben? Die erste Frage ist: möchte ich mich fallen lassen – in Gottes Hände? Vertraue ich darauf, dass er mich auffängt? Wenn ja, so ist es eine Gnade, die Gott schenkt, dass ich loslassen kann. Das Sich-Fallen-Lassen können wir nicht erzwingen. Es ist ja gerade dessen Eigenart, dass es die Aufgabe der Kontrolle ist und sich daher nicht kontrollieren läßt. Jeder kann es sich aber wünschen, kann diesen Wunsch in die Hände Gottes legen und Gott wird es uns schenken, wenn wir ganz auf ihn vertrauen. Dann kann unser Leben plötzlich ganz neu werden.
Jesus hat die Hingabe an den Willen des Vaters bis zum Äußersten gelebt. Er hat sich ganz fallen lassen in die Hände seines Vaters. Er war sich der Schmerzen bewußt, die auf seinem Kreuzweg über ihn kommen würden. Jesus hatte es in der Hand. Er hätte nur von Jerusalem wegzugehen brauchen. Er hätte noch länger umherziehen und den Menschen Gutes tun können. Und doch will er seinen Weg zu Ende gehen, der ihn ans Kreuz führt.
Jesus wußte, dass er durch seinen Tod unendlich mehr für uns Menschen tun konnte, als wenn er noch viele Jahre auf der Erde geblieben wäre. Er wußte, dass nun die Zeit reif war, für die Aussaat. Jetzt muß das Weizenkorn in die Erde fallen, weil es dann als Frucht das Leben bringt für alle Menschen.