Endspurt
O Herr, wie oft habe ich diese Wochen der österlichen Bußzeit schon verbracht, ohne viel an Buße, Fasten und Gebet zu denken! Wie oft habe ich die geistlichen Früchte dieser Zeit vergeudet, ohne es überhaupt zu merken! Aber wie kann ich jemals wirklich Ostern feiern, ohne die Fastenzeit einzuhalten? Wie kann ich mich vollkommen über deine Auferstehung freuen, wenn ich der Teilnahme an deinem Tod ausgewichen bin?
Ja, Herr, ich muss sterben - mit dir, durch dich und in dir -, um dich zu erkennen, wenn du mir als Auferstandener erscheinst. So vieles in mir muss sterben: falsche Anhänglichkeiten, Gier und Ärger, Ungeduld und Geiz. Ich bin eigensüchtig, um meine Karriere, meine Zukunft, mein Ansehen besorgt.
Ich sehe nun klar, wie wenig ich mit dir gestorben bin, wirklich deinen Weg gegangen und ihm treu geblieben bin. O Herr, mach diese Fastenzeit anders als die früheren. Lass mich dich wiederfinden. Amen.
Henri Nouwen
Am 1. April 2009 um 14:35 Uhr
Nur noch wenige Tage bis Ostern.
Was für jeden einzelnen
die Fastenzeit auch bedeutet hat.
Ostern mutet uns zunächst zu,
dorthin zu gehen, wo Trauer
herrscht wo Tod ist. Tod und Leid
auszublenden versperrt den Blick
auf die Auferstehung.
Ostern mutet uns den Blick auf das Kreuz zu.
Was Ostern uns zumutet, traut Gott uns zu.
Er traut uns zu den Durchbruch zu wagen zu
den Sterbenden und Trauernden, ihr Leid
nicht zu ignorieren. Er traut uns zu, unser Kreuz zu tragen
nicht den leichten Weg zu nehmen, sondern
seinen Sohn zu folgen.
Er traut uns zu, die Mauern unseres Alltags zu
durchbrechen von der Feindschaft zu Versöhnung,
von der Rechthaberei zur Vergebung, vom
Egoismus zum Teilen.