Brotvermehrung (Joh 6,1-15)

brotvermehrung1.jpgDie Brotvermehrung Jesu steht in der Tradition der Brotwunder des Alten Testaments. In der ersten Lesung hören wir, wie der Prophet Elischa mit zwanzig Broten hundert Männer speist (2Kön 4, 42-44). Jesus macht mit fünf Broten und zwei Fischen fünftausend Männer satt.

Das Brotwunder schlechthin ist die Speisung des Volkes Israel auf dem Weg durch die Wüste mit dem Manna. Gott speist sein Volk mit dem Brot vom Himmel. Das Volk Israel, das auf Gottes Geheiß hin von Ägypten ins Gelobte Land aufgebrochen ist, braucht unterwegs nicht zu hungern.

So brauchen auch die Menschen, die aus ihren Dörfern und Städten zu Jesus gekommen sind, um seine Worte zu hören, nicht zu hungern. Jesus gibt ihnen nicht nur geistige Nahrung durch sein Wort, sondern sorgt sich auch um ihr leibliches Wohl.

Die Menschen aber setzen andere Prioritäten. Die Worte Jesu, die zur Umkehr aufrufen, sind schnell vergessen. Nur weil Jesus sie alle satt gemacht hat, ist er plötzlich für sie der große Held. Es ist leicht, sich die Menge mit materiellen Wohltaten gewogen zu machen. Die Kaiser im alten Rom boten „Brot und Spiele“ um die Massen ruhig zu halten. Heute vermeiden Politiker im Wahlkampf die Diskussion um Steuererhöhungen und versprechen den Menschen finanzielle Entlastungen.

Jesus aber will nicht von den Menschen bejubelt werden, weil er sie satt gemacht hat. Jesus kauft sich nicht Menschen durch ein billiges Wunder. Er will den Menschen zeigen, dass sie dann, wenn sie seinen Worten glauben, sich keine Sorgen um materielle Dinge machen müssen, wie es in der Bergpredigt heißt: „Euch aber muß es zuerst um das Reich Gottes und um seine Gerechtigkeit gehen, dann wird euch alles andere dazugegeben.“ (vgl. Mt 6,33)

Den Menschen aber geht es zuerst ums Essen, deshalb können sie Jesus nicht verstehen. Jesus flieht vor ihnen und zieht sich in die Einsamkeit zurück.

Was erwarte ich von Jesus? Was ist der Inhalt meines Gebetes? Geht es mir darum, auf sein Wort zu hören und seinen Willen zu erfüllen oder will ich erst einmal, dass es mir im Leben einfach nur gut geht?

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