Joachim und Anna

Schönheit ist eine gleichermaßen schreckliche wie geheimnisvolle Sache. Hier streiten Gott und der Teufel um die Vorherrschaft, und das Schlachtfeld ist das männliche Herz.

joachimanna.jpgPassen diese Worte des großen russischen Schriftstellers Dostojewski zum Gedenktag der Eltern der Gottesmutter Maria, die auch als Patrone für die Eheleute verehrt werden? Ich meine ja.

Wenn sich zwei Menschen, Mann und Frau, lieben, so sehr, dass sie es sich vorstellen können, den Rest ihres Lebens gemeinsam zu verbringen, so geschieht das doch in der Regel deshalb, weil sie sich gegenseitig so sehr schätzen, dass jeder für den anderen der bedeutendste Mensch im Leben ist. Sie fühlen sich gegenseitig angezogen von der Schönheit des Partners, die mehr bedeutet, als gutes Aussehen. Neben der äußerlichen Attraktivität meint Schönheit vor allem auch die inneren Werte des anderen, die ihn für uns interessant machen. Wenn wir einen Menschen lieben, dann fasziniert uns sein Blick, sein Lächeln, seine Worte, wie er sich bewegt …

Schönheit kann blenden und sie kann uns in die Versuchung führen, den anderen besitzen zu wollen und uns seine Schönheit selbst nützlich zu machen. Schönheit kann uns aber auch immer wieder darauf hinweisen, groß vom anderen zu denken, ihn als Persönlichkeit zu sehen, einen Menschen, der mich teilhaben läßt an seinem Leben, weil er mich genau so schätzt, wie ich ihn.

Gerade hier ist zu prüfen, ob nicht nur vordergründige Aspekte den Grund für das Zusammensein liefern, sondern dass es sich wirklich um eine tiefe Sehnsucht handelt. Schnell meint man, den Menschen gefunden zu haben, der einem die Angst vor dem Alleinsein nimmt, der einem die Bestätigung des eigenen Selbstwertgefühls gibt, die man sonst vergebens sucht und dergleichen. Solche oberflächlichen Beweggründe können leicht dazu führen, dass eine Beziehung scheitert. Der Partner kann einem nicht die Defizite wegnehmen, die man im eigenen Leben hat. Wohl aber kann man gemeinsam wachsen, wenn jeder dem anderen die nötige Freiheit läßt und ihn nicht für seine eigenen Zwecke ge- oder mißbraucht.

Schönheit eines Menschen weist auch hin auf den Grund aller Schönheit, auf Gott. Wenn wir Gott in unsere Beziehung hinein nehmen und nicht den Partner für uns zum Gott machen, wenn Gott seinen Segen gibt über die Liebe zweier Menschen, dann hoffen wir, dass diese Beziehung gelingen kann. Darum bitten wir auch die Eltern der Gottesmutter Maria, den Hl. Joachim und die Hl. Anna, um ihre Fürsprache.

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