Allerheiligen (3)
Jeder Mensch ist von Gott gut geschaffen, er gleicht einem vollkommenen Kristall, der unheimlich wertvoll ist. Doch in der Dunkelheit kann selbst der vollkommenste Kristall seine Schönheit nicht entfalten. Er braucht das Licht, das ihn zum leuchten bringt. Dieses Licht hat der Mensch nicht aus sich selbst, sondern es kommt von Gott. Wenn der Mensch sich von Gottes Licht, von seiner Gnade, seiner Liebe und Güte bestrahlen läßt, dann wird er gewissermaßen in Licht verwandelt, das Licht Gottes strahlt durch ihn in die Welt. Das ist das Geheimnis der Heiligkeit, zu der jeder Mensch berufen ist.
„Was geschieht nun, wenn ein Mensch völlig im göttlichen Leben, das in ihm ist, aufgeht? – Diese Vollkommenheit erreichen nur jene Menschen, die wir Heilige nennen – oder vielmehr jene, die wahrhaft heilig sind und im Lichte Gottes leben. Denn jene, die nach menschlichen Begriffen auf Erden Heilige genannt werden, können ebensogut Teufel sein, und ihr Licht könnte der Finsternis angehören. Denn vor dem Lichte Gottes sind wir Eulen. Es blendet uns, und sobald es uns trifft, sind wir im Dunkel. Oft sehen wir Menschen für Heilige an, die es nicht sind, und andere, die es keineswegs zu sein scheinen, sind es. Die größten Heiligen sind zuweilen die verborgensten – denken wir nur an die Muttergottes, den heiligen Josef.
Christus hat seine Kirche unter anderem zu dem Zwecke eingesetzt, damit die Menschen einander zu ihm hinführen und dadurch sich selbst sowie die Mitmenschen heiligen. Auf diese Weise zieht uns Christus selbst durch die Tat unserer Mitmenschen an sich.“ (Thomas Merton)