Unbegreiflich (1)

unbegreiflich1.jpgNach längerem Überlegen habe ich mich doch dazu entschlossen, einen zugegebenermaßen etwas schwierigen Text von Karl Rahner hier einzustellen. Er beschäftigt sich – wie schon so mancher Text bei bet4mi – mit der Frage nach dem Warum des Leidens. Wenn wir uns mit dieser Frage beschäftigen, so müssen wir uns immer daran erinnern, dass Gott selbst in Jesus Christus das Leid der Menschen auf sich genommen hat. Karl Rahner schreibt:

Die Unbegreiflichkeit des Leides ist ein Stück der Unbegreiflichkeit Gottes.

Nicht in dem Sinne, dass wir sie als notwendig und von da als dennoch aufgeklärt aus etwas anderem, was wir von Gott wissen, ableiten könnten. So wäre sie ja gar nicht unbegreiflich.

Aber gerade als wirklich und für ewig unbegereiflich ist das Leid eine wirkliche Erscheinung der Unbegreiflichkeit Gottes in seinem Wesen und in seiner Freiheit.

In seinem Wesen, weil wir ja trotz der Fürchterlichkeit, der (so könnten wir sagen) Amoralität des Leidens (der Kinder und der Unschuldigen zumindest) die reine Güte Gottes zu bekennen haben, die aber eben nicht vor unserem Tribunal freigesprochen werden muss.

In seiner Freiheit, weil auch gerade sie, wenn sie das Leid der Kreatur will, darum unbegreiflich ist, weil die heiligen Ziele dieser das Leid wollenden Freiheit diese Ziele auch ohne das Leid erreichen könnte.

Das Leid ist also die in sich noch einmal unableitbare Erscheinungsform der Unbegreiflichkeit Gottes selbst.

In unserer konkreten Verfassung ist die Annahme des Leides ohne eine Antwort, die von der Unbegreiflichkeit Gottes und seiner Freiheit verschieden wäre, die konkrete Weise, in der wir Gott selbst annehmen und Gott sein lassen.

Es gibt kein seliges Licht, das die finstere Abgründigkeit des Leides erhellt, als Gott selbst. Und ihn findet man nur, wenn man liebend Ja sagt zur Unbegreiflichkeit Gottes selbst, ohne die er nicht Gott wäre.

Eine Reaktion zu “Unbegreiflich (1)”

  1. Anita

    Viele Menschen tun sich schwer an Gott zu glauben und Gott zu erleben, weil sie Gott und das Leid nicht zusammenbringen. Gott könne das Leid nicht zulassen. Was ist das für ein Gott der zusieht wie unschuldige Kinder getötet werden? Wie konnte Gott es zulassen, dass die junge Frau des Nachbarn stirbt? Man kann nur auf den unbegreiflichen und ganz anderen Gott verweisen und zugleich ermutigen die Klage und die Wut gegenüber Gott zuzulassen und auszudrücken.

Einen Kommentar schreiben