Gib uns täglich das Brot, das wir brauchen
Die Bitte um das tägliche Brot ist auf den ersten Blick etwas Selbstverständliches. Ohne Nahrung kann der Mensch nicht leben. Wir bitten darum, dass es uns nicht am Lebensnotwendigen fehlt. In unserem Land mit seinen übervollen Supermarkt-Regalen gerät der Gedanke an die Sorge um das tägliche Brot leicht in Vergessenheit, aber wenn wir die Augen offen halten, sehen wir, dass es irgendwo auf der Welt, und vielleicht sogar ganz in unserer Nähe, Menschen gibt, die nicht an den Vorteilen unserer Wohlstandsgesellschaft Anteil haben.
In einer Auslegung zum Vater Unser heißt es, dass Jesus mit dieser Bitte in ganz besonderer Weise die Situation der Jünger in der Anfangszeit im Blick hatte. Die Jünger sind als Wanderprediger unterwegs und müssen darauf vertrauen, jeden Tag in einem Haus Einlass zu finden, wo man sie versorgt. Sie sollen keinen Proviant mitnehmen, sondern darauf vertrauen, dass Gott für sie sorgt und Menschen sie aufnehmen.
Wir denken auch an die Wüstenwanderung des Volkes Israel. Damals durften die Israeliten nur so viel Manna sammeln, wie sie an einem Tag zum Essen brauchten. Auch sie mussten darauf vertrauen, dass Gott jeden Tag für sie sorgt. Im übertragenen Sinn denken wir bei Brot auch an die Eucharistie, die Speise zum ewigen Leben.
Wir sehen, dass hinter der einfachen Bitte um das tägliche Brot sehr viel mehr steckt, als wir zunächst denken. Vor allem kommt hier wieder das Vertrauen deutlich zum Ausdruck, das wir zu Anfang des Gebetes mit dem Wort „Vater“ ausgesprochen haben. Gott sorgt sich täglich um seine Kinder.